Brief an die Aktionäre

Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,

auf dem Weg zurück zur Profitabilität konnten wir im vergangenen Geschäftsjahr wichtige, wenn auch nicht alle Meilensteine erreichen. So weisen wir für das zweite Halbjahr 2015 wie geplant ein positives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) aus und bewegen uns auch bei den Betriebskosten im Rahmen unserer Zielvorgabe von rund EUR 80 Mio. Zudem ist es uns gelungen, die Diversifizierung unseres Technologie- und Produktportfolios voranzutreiben: Bei Anlagen für die Leistungselektronik und die Siliziumindustrie haben wir den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr insgesamt verdoppelt, bei Anlagen für die Optoelektronik (ohne LED) sogar fast verdreifacht.

Obwohl San’an Optoelectronics die neue AIX R6 entgegen unseren Erwartungen nicht qualifizierte und wir damit unser ursprüngliches Umsatzziel nicht erreichten, konnten wir dennoch unseren Umsatz in 2015 leicht auf EUR 197,8 Millionen steigern. Ursächlich hierfür war, dass wir die fehlenden Umsätze im LED-Bereich durch die signifikanten Steigerungen in anderen Technologiebereichen ausgleichen konnten.

Der veränderte Produktmix, die günstige Währungsentwicklung und die Zunahme der Produktivität spiegelten sich in den Ertragskennzahlen wider. Auch wenn es für das Gesamtjahr noch nicht zu schwarzen Zahlen reichte, konnten wir uns mit einem positiven EBITDA in Höhe von EUR 5,4 Millionen im zweiten Halbjahr 2015 sowohl im Vergleich zum ersten Halbjahr als auch im Jahresvergleich deutlich steigern.

Kosten und Margen weiter im Fokus

Ein effektives Kostenmanagement ist und bleibt ein wichtiger Aspekt auf dem Weg zu einer nachhaltigen Ergebnisstabilisierung. Trotz unserer Investitionen in Zukunftstechnologien konnten wir im Geschäftsjahr 2015 wieder deutliche Fortschritte bei der Reduzierung der Betriebsaufwendungen in allen Funktionsbereichen verzeichnen. Der von uns in Forschung & Entwicklung eingeführte Produktentwicklungsprozess ist Grundvoraussetzung für Effizienz und Effektivität.

Des Weiteren sehen wir Fortschritte in der Bruttomarge, die von 20 Prozent im Jahr 2014 auf 25 Prozent im Jahr 2015 gestiegen ist. Dazu trugen neben höheren Produktmargen und Währungseffekten auch niedrigere Materialkosten aufgrund erster Erfolge aus unseren internen Design-to-Cost- und Einkaufs-Projekten bei. Diese Aktivitäten dehnen wir sukzessive auf andere Produktgruppen aus. Zudem sehen wir in unseren Logistik- und Serviceabläufen deutliche Verbesserungen.

Begleitet werden diese Ergebnisse durch eine kontinuierliche Weiterentwicklung unserer Finanz- und Analyseinstrumente, unter anderem für die Margenberechnung, die Produktkalkulation oder für relevante Leistungsindikatoren. Dadurch verbessern wir die Entscheidungsbasis und schaffen klare Zielvorgaben.

Erfolge bei der Diversifizierung

Zwar erwirtschaften wir mit MOCVD-Anlagen zur Herstellung von LEDs immer noch den Großteil unseres Umsatzes. Doch der Anteil von Technologien für Anwendungen in der Optoelektronik (ohne LED), der Leistungselektronik oder das Geschäft mit Anlagen für die Siliziumindustrie stieg in 2015 zum Teil deutlich an. Die Geschäfte im Bereich der Kohlenstoff-Nanostrukturen (Graphen, Nanoröhren) gestalten sich ebenfalls erfolgreich, auch wenn sie sich noch in einer sehr frühen Phase befinden. Die ersten Erfolge dieser Diversifizierungsstrategie sind in den Zahlen des Geschäftsjahres 2015 abzulesen. Darüber hinaus machten wir Fortschritte bei der Umsetzung unseres Fahrplans zur zeitnahen Markteinführung unserer Anlagentechnologien für die Produktion organischer Elektronik.

Ausbau der Zukunftstechnologien

Unsere Aufwendungen für Forschung & Entwicklung haben wir mit über EUR 55 Millionen auf einem hohen Niveau gehalten. Mehr als die Hälfte unserer Entwicklungskosten haben wir in Zukunftstechnologien investiert. Damit wollen wir sicherstellen, dass diese Technologien zeitgerecht auf den Markt kommen.

Das Marktumfeld für LED bleibt weiterhin schwierig. Denn auch 2015 waren die Anlagenbestellungen aufgrund von Überkapazitäten und einem sehr intensiven Wettbewerb zwischen den LED-Herstellern insbesondere in China von Zurückhaltung geprägt. Eine schnelle Veränderung dieser Marktlage ist trotz des weiter voranschreitenden Wandels im weltweiten Lichtmarkt von traditioneller Beleuchtung hin zur LED-Beleuchtung im Moment nicht absehbar und erschwert daher auch eine genaue Prognose über das Ausmaß und den Zeitpunkt größerer Aufträge für neue LED-Produktionsanlagen. Hinzu kommt, dass die Qualifikation unserer Closed Coupled Showerhead®-Anlage AIX R6, die insbesondere für den asiatischen Markt konzipiert wurde, bei einigen Kunden mehr Zeit in Anspruch nimmt als geplant.

Eine steigende Nachfrage beobachten wir dagegen für unsere Planetenanlagen®, die vor allem außerhalb Chinas zur Herstellung von Bauteilen für die Opto- und Leistungselektronik genutzt werden. Dabei bieten wir unseren Kunden deutliche Vorteile in Bezug auf Homogenitäts- und Qualitätsanforderungen, was einigen Herstellern auch erhebliche Kostenvorteile bei der Verarbeitung der produzierten Wafer ermöglicht. Mit Anlagen für Anwendungen wie Laser, Infrarot-LEDs und Photovoltaik konnten wir 2015 das beste Jahr seit langem verzeichnen.

Auch für Produktionsanlagen in der Leistungselektronik konnten wir unseren Umsatz in 2015 deutlich steigern. Für das laufende Geschäftsjahr gehen wir von einer weiter soliden Nachfrage nach unseren AIX G5-Planetenanlagen® aus. Hintergrund ist, dass wir bei ersten Herstellern aktuell den Übergang von der F&E- in die Produktionsphase sehen. Wir rechnen damit, dass die zunehmende Nachfrage nach energieeffizienten Bauteilen auf Basis von Galliumnitrid und Siliziumkarbid beispielsweise in zukünftigen Elektroautos oder bei der zunehmenden Vernetzung eines großen Spektrums von Anwendungen in den nächsten Jahren zu einer kontinuierlich steigenden Nachfrage nach Produktionsanlagen führen wird. AIXTRON kann hier inzwischen auf eine solide Basis von fast 50 Kunden bauen, darunter auch die in diesem Markt führenden Unternehmen.

In der Siliziumhalbleiter-Industrie ist unsere ALD-Technologie einer der Schlüssel für eine effiziente Speicherchip-Produktion. In 2015 verzeichneten wir starkes Wachstum im Geschäft mit unserem Hauptkunden. Entscheidend für den Erfolg dieses Bereiches in 2016 werden jedoch der Abschluss der laufenden Qualifikationsprozesse bei zwei potenziellen Neukunden sowie die Entwicklung im aktuell schwierigen Markt für DRAM-Speicher sein.

Mit unserer MOCVD-Technologie für III-V-auf-Silizium-Anwendungen (TFOS) werden zukünftige Prozessoren noch leistungsfähiger. Sehr positiv war im vergangenen Jahr die Auslieferung einer weiteren TFOS-Anlage an einen großen internationalen Prozessorhersteller, die wir im Rahmen eines standort- und funktionsübergreifenden Entwicklungsprojekts realisiert haben. Mittlerweile gelten unsere Anlagen als die Referenztechnologie im Markt, die Prozessorherstellern auch in Zukunft die Fortschreibung des Mooreschen Gesetzes ermöglichen. Entscheidend für den Erfolg von AIXTRON wird der Zeitpunkt der Einführung dieser neuen Materialien in die Produktion der nächsten Generation von Logikprozessoren sein.

Auch in der organischen Elektronik konnten wir im vergangenen Geschäftsjahr Fortschritte machen: Zum einen mit der Inbetriebnahme unserer Gen8-Demonstrationsanlage, die unseren Industriekunden die kostengünstige und effiziente Herstellung organischer Dünnfilme auf großer Fläche für OLED-Displays und OLED-Beleuchtungsanwendungen demonstrieren soll und deren Qualifizierung bei unseren Schlüsselkunden die entscheidende Voraussetzung für die in den nächsten Monaten erwarteten Kundenaufträge ist. Zum anderen war die Verbuchung der ersten Bestellung für die im Rahmen der PlasmaSi-Übernahme im April 2015 erworbene Verkapselungstechnologie OPTACAP™ ein wichtiger Schritt, dem bis Mitte 2016 weitere Aufträge folgen sollen.

Graphen und Nanomaterialien wie Kohlenstoff-Nanoröhren und Kohlenstoff-Nanodrähte haben das Potenzial, künftig in Anwendungen wie Displays, Batterien, Halbleitern und vielen mehr zum Einsatz zu kommen. Im vergangenen Jahr ist es uns gelungen, unsere weltweit führende Position in der akademischen und industriellen Forschung weiter zu stärken. So haben wir 2015 beispielsweise unser Produktportfolio um die BM Spider erweitert, eine Anlage zur Abscheidung von Graphen auf Metallfolien. Die andauernd gute Nachfrage nach unseren PECVD-Anlagen zeigt, dass unsere Anlagentechnologie für die Kunden ein wichtiger Schlüssel für die Produktion und den Einsatz dieser zukunftsweisenden Materialien ist.

Veränderungsprozesse erfolgreich weitergeführt

Blicken wir auf das Gesamtjahr 2015, so konnten wir wichtige Eckpfeiler des Unternehmens stärken: Wir haben unser Technologie-Portfolio weiterentwickelt und diversifiziert, deutliche Fortschritte in der Produktivität des Unternehmens erzielt, das strikte Kostenmanagement konsequent weiter verfolgt und somit unsere Ertragsbasis gestärkt. Das Anfang 2015 ins Leben gerufene Design-to-Cost-Projekt zur Realisierung von Materialeinsparungen bei unseren Anlagen sei an dieser Stelle ebenso genannt wie die Prozess- und Produktivitätsverbesserungen in allen Funktionsbereichen.

Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,

an erster Stelle möchte ich mich auch in diesem Jahr wieder bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unseres Unternehmens bedanken, die sich mit großem Engagement für den Erfolg von AIXTRON einsetzen und mit uns die notwendigen Veränderungen im Unternehmen vorantreiben. Dieser Prozess stellt auch in Zukunft hohe Anforderungen an jeden einzelnen. Darüber hinaus möchte ich mich auch im Namen von Herrn Dr. Schulte beim Aufsichtsrat für die aktive Unterstützung und die vertrauensvolle Zusammenarbeit bedanken.

Ein ganz besonderer Dank gilt Ihnen, sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, die Sie den kontinuierlichen Veränderungsprozess bei AIXTRON seit einigen Jahren unterstützen und begleiten. Dass unsere Diversifizierungsstrategie greift, belegen die Zahlen des vergangenen Jahres, insbesondere die Umsatzverteilung und das positive EBITDA im zweiten Halbjahr 2015. Vorausgesetzt wir erreichen das obere Ende der Bandbreite unserer Umsatzprognose und die Markteinführung neuer Technologien sowie die Qualifizierungsprojekte mit unseren Kunden sind erfolgreich, erwarten wir in 2016 eine erneute, wenn auch leichte Verbesserung der Ertragslage. Die Absicherung der nachhaltigen Profitabilität von AIXTRON ist weiterhin unser wichtigstes Ziel. In der Verfolgung dieses Zieles haben wir für 2017 ein positives EBITDA fest im Blick.

Ihr
Martin Goetzeler

Vorstand



 
     
Martin Goetzeler
Vorsitzender des Vorstands
  Dr. Bernd Schulte
Vorstandsmitglied